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Statistiken sind wie immer schon auf dieser Welt mit Rechenfehlern versehen PDF Drucken E-Mail

Und das allein in den USA. Kein Wunder, dass die Industrie sich verzweifelt wehrt. Aber halt! Nicht so schnell! Was sind das für Zahlen, wo kommen sie her und wie wurden sie ermittelt? Glücklicherweise nahmen sich die Kollegen von Ars Technica, unterstützt von den Kollegen von der Wired, die Zeit, um alles nachzuprüfen. Einschliesslich von Regierungsarchiven, nach dem Informationsfreiheitsgesetz auf Antrag geöffnet.

„Ich glaube nur der Statistik,

die ich selbst gefälscht habe...“

In einem Satz: Es sind alles Lügen. Die Zahlen sind Schätzungen, wurden aus dem Zusammenhang gerissen, weiter und weiter kopiert, und dienen heute als Grundlage für Reale Politik. Und bevor sich einer meiner geschätzten Leser jetzt zurücklehnt und mit wohligem Gruseln seufzt: "Ach, diese Amis...", möchte ich in Erinnerung rufen, dass Politiker und Industrielle der führenden westlichen Länder hinter verschlossenen Türen am ACTA-Abkommen feilen, das die Kontrolle über Kulturgüter in einem nie gekannten Mass an die bekannten Konzerne übergibt. Plus der Daten aller Bürger, als potentielle IP-Kriminelle.

Zurück zu den Zahlen. Wie Ars Technica nachprüfte, ist die Behauptung, Piraterie, also eigentlich kommerzielle Produktfälschung, würde den Verlust einer Dreiviertelmmillion US-Arbeitsplätzen nach sich ziehen, nie wirklich sachlich untermauert worden. Was vom U.S. Department of Commerce, der Customs and Border Patrol, dem U.S. Chamber of Commerce und anderen Behörden in Hochglanz und Fettdruck verbreitet wird, stammt ursprünglich aus dem Christian Science Monitor von 1986, wo der damalige US-Handelsminister Malcom Baldridge erklärte, er schätze den Verlust von Arbeitsplätzen in den USA durch Produktfälschungen auf "irgendwas zwischen 130.000 und 750.000". Aha.

Ja, aber: 250 Milliarden US-Dollar, das ist doch eine Stange Geld? Wer hat das ermittelt, und wie? Ars Technica prüfte auch hier solange, bis die erste Erwähnung dieser Zahl feststand: In der Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Forbes vom 25. Oktober 1993 stand, wenn auch ohne Angabe von Quellen, dass die weltweite Produktfälschung einen Umfang von 200 Milliarden US-Dollar hätte. Weltweit. Plus Inflationsrate: 250 Milliarden. Letztere Zahl übersteigt übrigens den gesamten Jahresumsatz aller US-Musik-, Film-, und Spiele- und Softwarefirmen. Nur mal so zum Vergleich.

Ok. Und auf der Basis dieser nie nachgeprüften Zahlen werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit Gesetze gemacht. Wem nützen diese? Und was denkt die Öffentlichkeit darüber? Was ich denke, wisst ihr, und was ihr denkt, weiss ich auch. Ach, und bald sind wieder Wahlen. Bei den letzten, im deutschen Texas, war schon zu sehen, dass konsequentes Lügen nicht garantiert zum Erfolg führt. Na dann.

Fritz Effenberger-Torggler Siegfried

 
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